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Deutsch
Lehrer-Portraits und Erfahrungen
Deutschlehrer in Moskau
Hallo, lieber Leser! Ich platze gleich mit der Tür ins Haus und frage dich: Willst du glücklich sein? Ich wette - nein, ich bin mir sicher - deine Antwort lautet: "Ja!" Und schon haben wir unsre erste Gemeinsamkeit gefunden. Frage Nummer zwei: Kannst du ohne Kommunikation, also ohne dich mit anderen Menschen auszutauschen, glücklich sein? Ganz bestimmt beantwortest du auch diese Frage genauso wie ich, nämlich mit "Nein." Unsere zweite Gemeinsamkeit. Frage Nummer drei: Glaubst du auch, dass jeder Mensch, der eine Fremdsprache lernt, gleichzeitig seinen Horizont erweitert? Sicherlich. Sonst wärst du nicht auf dieser Web-Seite.
Siehst du, und schon kennst du mich ein bisschen und die Gründe dafür, warum ich es liebe, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten.
Es hat mich schon immer fasziniert, selbst Sprachen und damit Menschen aus anderen Kulturkreisen kennenzulernen. Und nun selbst eine Sprache zu unterrichten, ist faszinierend hoch 10. Ich habe meinen Traumjob gefunden, der mich mit Sinn erfüllt und in den ich all meine Kreativität stecken kann…und das, nachdem ich mich fünf Jahre lang an der Uni mit einer Fremdsprache der anderen Art befasst hatte und Sätze anwendete wie "Dieser Sachverhalt ist nicht unter den Tatbestand des § So-und-so subsumierbar" oder Wörter wie "Drittschadensliquidation". Für das Meistern dieser Fremdsprache habe ich dann eine Urkunde gekriegt und sie fein säuberlich abgeheftet, wie man das als Deutscher so tut. Trotz Horizonterweiterung wollte ich diese Sprache nicht mehr benutzen und hatte dann das Glück, über das DaF-Lehrer Teacher-Training am IH Freiburg zu stolpern, wo man mir erstklassige Ideen für einen Fremdsprachenunterricht, von dem ich selbst als Schüler nur träumen konnte, an die Hand gegeben hat.
Mein Job war also geritzt, nur die Stelle noch nicht. Den Wunsch, nach Russland zu gehen, hatte ich schon länger. Als "Ossi" hatte ich die Sprache gelernt, aber das Wichtigste, um die Sprache wirklich zu verstehen, nämlich der persönliche Bezug, fehlte mir. Zwar waren damals bei uns viele sowjetische Freunde und Brüder zu Gast, aber leider hinter verriegelten Kasernentoren.
Also habe ich in den unendlichen Tiefen des WWW die BKC-Sprachschule in Moskau ausfindig gemacht und Schwupp-di-Wupp: 2 Monate später stand ich auf der Showbühne in einem Klassenzimmer der BKC mitten in Moskau. Seitdem sind 3 Monate vergangen und ich habe es keinen Tag bereut, hier zu sein. Das, was ich hier tue, heißt zwar offiziell "arbeiten", aber für mich heißt es "Herausforderung, Aufregung, Lernen und Spaß". Neben dem Ziel, den bestmöglichen Unterricht zu machen, ist es z.B. herausfordernd, die russischen Sprachschüler von selbst auf die Idee zu bringen, dass sie ihr Handy im Unterricht nicht brauchen. Spaß ist es z.B., - neben dem Unterricht - mit Lehrern aus der ganzen Welt zusammen zu arbeiten, die alle genauso enthusiastische Lehrer sind wie ich und die unterschiedlichsten Hintergründe haben.
Tja, und Moskau? Moskau ist eine Stadt, die wohl eher noch mit anderen Metropolen dieser Welt vergleichbar ist als mit dem Rest Russlands. Moskau ist eine wilde, lebendige Stadt der Gegensätze, in der es alles gibt: Bettelarme und stein-/stink-reiche Menschen, Hochkultur und Schund, Alkoholismus und Enthaltsamkeit, den Glauben an Naturheilkräfte aller Art und freibezügliche Medikamente aller Art, Löwenbräu und Russkii-Standard-Vodka, glänzende Audi-Geländewagen und auseinanderfallende Ladas, Korruption und Nächstenliebe, Borschtsch und Sushi, Fremdenhass und herzlichste Gastfreundschaft…mit letzterer habe ich besonders viele Erfahrungen gemacht und das ist ein nicht unentscheidender Grund, warum ich mich hier, im Herzen Russlands sehr wohl fühle. Aber sieh selbst!
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